Geschichte

Geschichtlicher Rückblick

Zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrhunderts verließ der germanische Stamm er Alemannen sein bisheriges Siedlungsgebiet an der Ostsee, zwischen Elbe und Oder, und wandte sich nach Südwesten. Auf ihrem Weg überrannten die Alemannen den römischen Grenzwall, den Limes, und besetzten das sogenannte Dekumatland. Sie fegten die römische Besatzungsmacht hinweg, legten einen großen Teil der militärischen und auch der zivilen Anlagen in Schutt und Asche, und hinterließen den nachfolgenden Generationen, in Gestalt der Ruinen, willkommene Steinbrüche zum Bau von Kirchen, Klöstern und Burgen. Die römische Kultur wurde fast vollständig ignoriert. An die Römer erinnert auf hiesiger Gemarkung heute noch die sogenannte "Römerstraße", im Südosten der Ortslage. Einige hundert Meter westlich davon, unweit der Gemarkungsgrenze zu Rangendingen, wurden im Gewann "Steinmäuerle" mehrfach römische Funde gemacht.

Aber bereits kurz vor dem Jahr 500 wurden die Alemannen von den Franken, einem ebenfalls germanischen Stamm unterworfen, konnten jedoch trotzdem, allerdings unter fränkischer Oberherrschaft, ein Stammherzogtum bilden. Etwa zu Beginn des 6. Jahrhunderts erweiterten sie ihr Gebiet im Westen bis zum Elsass, im Osten bis zum Lech, und im Süden bis zur heutigen Nordschweiz. Die Nordausdehnung reichte in etwa bis zu der heute noch bestehenden Sprachgrenze zwischen dem Schwäbischen einerseits, und dem Fränkisch-Hohenlohischen andererseits. Damit war der Grundstein für das spätere Herzogtum Schwaben, das mehrere Jahrhunderte Bestand haben sollte, gelegt. Alemannische Gräber entdeckte man 1970 in der "Hirschgasse", und 1860, 1894, zwischen 1895 und 1905, 1987 und 1992 im Bereich "Lindenäcker".

Irische Mönche und fränkische Missionare brachten das Christentum. Die ersten christlichen Kirchen wurden gebaut, die Diözese Konstanz um das Jahr 600 gegründet. In dieser Zeit dürfte auch die erste Hirrlinger Kirche entstanden sein. Die St. Martins-Patrozinien sind mit dem ältesten, und in jener Zeit am häufigsten vertreten (St. Dionysius und St. Laurentius folgen auf Platz zwei und drei). Diese Urkirchen waren aus Holz, und kaum länger als 8 - 12 m. Die Toten wurden um die Kirche bestattet, die Mitglieder des Ortsadels fanden ihre letzte Ruhestätte in der Kirche.

Als erste Ortsherrn von Hirrlingen werden die Grafen von Ortenberg genannt, und vom Jahr 1000 bis zum Jahr 1173 die Herren von Hurningen aus dem Elsass. Anschließend hatten die Hohenberger die Herrschaft inne, und ab 1258 die Freiherren von Ow. Von 1720 - 1810 wechselten die Besitzer nicht weniger als siebenmal, bis das Schlossgut endlich im Jahr 1821 von der politischen Gemeinde erworben wurde.

Zur Hirrlinger Urpfarrei zählten außer Hirrlingen, auch Fommenhausen, Schwalldorf, Hemmendorf, die angegangenen Siedlungen Bossenhausen und Marbach, vermutlich auch Bietenhausen, Höfendorf, Bodelshausen, Oberhausen und Dettingen.

Um das Jahr 1000 dürfte wohl der erste Steinbau, mit Turm, entstanden sein. Diese Kirche hatte lediglich eine Breite von 7,5 m, also die Breite des Turmes. Die Höhe des Turms betrug 18 m. Der Friedhof um die Kirche wurde mit einer Mauer umgeben bot also bei feindlichen Angriffen einen gewissen Schutz und bildete, zusammen mit der Kirche, auch eine Asylstätte.

Der zweite Steinbau wurde unter Georg VII, 1563 errichtet. Die Breite wurde auf 9 m erweitert, der Turm auf 32,8 m erhöht. Der dritte Um- und Neubau erfolgte im Jahr 1770. Die Südmauer wurde abgebrochen, und um 5,6 m nach Süden versetzt, der Chor um mehrere Meter nach Osten verlängert. Diese Erweiterungen gingen auf Kosten des Friedhofs. Die Turmhöhe blieb unverändert. Aber bereits 1563 war an der Straße nach Frommenhausen ein zweiter Friedhof angelegt worden. Bis zum Jahr 1770 fanden Beerdigungen auf beiden Friedhöfen statt, seit der Kirchenerweiterung nur noch auf dem später angelegten.

Die heutige Kirche ist also, jeweils einschließlich es Mauerwerks, etwa 37 m lang und 14,7 m breit. Der Turm hat eine Höhe von 32,8 m.

Hans Hecht