St. Martinus

Geschichte der Pfarrei St. Martinus

Über die Geschichte der hiesigen Pfarrei steht im Liber decirnationis (Zentregister) vom Jahr 1275: Vicaria ibidem valet viginiti libras Hallensium, plebanatus vero nondum est taxatus. Idem plebanatus valet XVII libras Hallensium /Die dortige Stelle erbringt 20 Pfund Heller, das Pfarramt ist eigentlich noch gar nicht bewertet. Der Pfarrer nämlich erhält 17 Pfund Heller) Im Liber marcarum (Gemarkungsbuch) aus der Zeit zwischen 1360 und 1370 lesen wir: Ecclesia Hurningen pertinet monasterio Wittichen et habet X marcas (Die Pfarrei von Hirrlingen zählt zum Kloster Wittichen und erstreckt sich über 1 Gemarkung), Die Hirrlinger Pfarrkirche war also Leutekirche für die Umgebung und zählte zu den ältesten der Gegend. Das Patronatsrecht über dieselbe, sowie die Großzehnten von Frommenhausen hatte Hermann von Ow bereits im Jahre 1357 dem Kloster Wittichen (Kloster südwestliche von Alpirsbach) geschenkt. Dieses durfte diese Güter allerdings weder verkaufen, noch versetzen oder vertauschen, auch keinen Vogt über die Kirche setzen falls das Kloster aufgelöst werde, falle die Kirche an Hermann von Ow, beziehungsweise an dessen rechtmäßigen Erben zurück. Jede Hofstatt, die in das Widum gehörte, musste den Herren von Ow jährlich ein Fastnachtshuhn liefern.

Im Jahre 1581 gab das Kloster Wittichen den Kirchensatz der Pfarrei und der Frühmesspfründe an Philipp und Volmar von Ow zurück. Dieses Patronatsrecht blieb fortan bei der Familie von Ow und deren Rechtsnachfolgern. Es wurde von der Gemeinde 1821 durch den Kauf des Rittergutes miterworben, durfte aber nach einem Ministerialerlass vom Jahr 1811 von derselben nicht ausgeübt werden. Nach der Pfründenausscheidung im Jahr 1858 verblieb dieses Recht bei der Krone.

Die Pfarrei besaß 1540 eine Gült aus dem "Kellenhof" zu Bierlingen, 1658 den Großzehnten von 210 Jauchert Äckern (etwas mehr als 100 Hektar), den Heu- und Obstzehnten aus dem Schloßgarten zu Hirrlingen, sowie den Blutzehnten zu Frommenhausen.

Die hiesige Frühmesspfründe, gegründet im Jahr 1383, bezog ein Viertel des hiesigen Großzehnten. Sie bestand bis zum Jahr 1925.

Die zweite Kaplanei, die St. Lorenz- oder Schloßkaplanei wurde 1385 gegründet. Sie bezog jährlich aus dem "Pfaffenberg" zu Wurmlingen 1/2 Fuder und fünf Ohm (ca. 1.400 Liter) "Vorlasswein". Wenn infolge eines schlechten Weinjahres einmal nicht die ganze Menge geliefert werden konnte, musste das Fehlende in den Folgejahren beigebracht werden. Hanns von Ow zu Hirrlingen, Stephan von Ow zu Wachendorf, Heinrich von Ow zu Bodelshausen und Hanns von Gültlingen zu Entringen vermachten der Pfründe im Jahr 1442 eine ewige Gült. Das Einkommen dieser Kaplanei scheint damals nicht ausreichende gewesen zu sein, da Wolf von Ow zu Hirrlingen, kurz vor seinem Tod, im Jahr 1444 auf den in hiesiger Kirche zur linken Seite stehenden St. Lorenzaltar wöchentlich vier Messen für verstorbene und noch lebende Mitglieder seiner Familie stiftete. Wolf von Bubenhofen und Konrad von Ow betraute er mit der Ausführung dieser Stiftung, die noch im gleichen Jahr von Bischof Heinrich von Konstanz bestätigt wurde. Die Kollatur (das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen, oder eine Pfründe zu vergeben) dieser Kaplanei stand also den Herren von Ow zu. Das Einkommen dieser Pfründe betrug im Jahre 1664 lediglich 186 Gulden und 43 Kreuzer, Johann Friedrich II. von Ow unterließ es daher im Jahre 1690, nach dem Tod des damaligen Kaplans, diese Pfründe wieder zu verleihen. 1735 wurde sie, wegen zu geringen Einkommens, der Pfarrei inkorporiert. Die Kaplanei Unserer Lieben Frau, auch Götzenpfrund genannt, da sie, 1387, von Stephan Götz d. Ä. aus Balingen gestiftet worden war, wurde 1794 aufgehoben und ihre Einkünfte für die Lokalkaplanei Frommenhausen verwendet. Seit dem Jahr 1496 erhielt diese Pfründe vom großzehnten zu Rangendingen jährlich 10 Malter Vesen und fünf Malter Haber.

Aus Urkunden und Seelbüchern von den Jahren 1486, 1494 und 1573 geht hervor, dass von der Familie von Ow für ihre Angehörigen zahlreiche und reichhaltige Jahrgangsstiftungen in die Pfarrkirche gemacht wurden, nämlich für:

Marquard d. Ä. (1353 - 1380) und seine Frau Anastasia von Neuneck und Anna von Stein, die Brüder Albrecht Marquard und Conz (1356) aus dem Gut, das sie Albrecht, dem Schenken von Andeck, gekauft hatten; Benz und seine Söhne JOhannes, Albrecht und Reinhard (1369 - 1386); Hermann, den Sohn Marquards d. Ä., aus der "Schypinen Lehen" (1372 - 1420); Walther, seine Frau Margaretha von Neuhausen und seinen Sohn Georg (1400 - 1422); Konrad und seine Frau Anna von Neuneck, aus dem "Laiblishof" zu Höfendorf (1451), Georg, seine Frau Anna, Schenkin zu Stauffenberg, und deren Kinder Konrad, Deutschordenritter, Johann Werner, Georg, Wendelin, Sebastian, Margaretha von Bubenhofen und Barbara von Laubenberg (1467 - 1510); Märklin (1471 - ca. 1510), seine Frau Apollonia von Friedingen, deren Kinder Margaretha, Wolf und Agnes von Baldeck, Ottilia, seine Eltern Wolf und Agnes von Gültlingen, seinen Vetter Georg, Barbara von Bebenburg, Witwe des Hans von Ow (1486), - sie ist auch die stifterin des "Salve Regina", das jeden Samstag, und in der Fastenzeit jede Nacht zu singen war -; Georg (1586), seine Frau Katharina von Brandeck, deren Söhne Volmar und Philipp, Philipp (1591) und seine Frau Margaretha von Gemmingen.

Stiftungen machten aber indes nicht nur Mitglieder der Familie von Ow. Auch der Frühmesser Konrad Mayer z. B. stiftete im Jahr 1498 ein wöchentliches Lobamt in die Pfarrkirche, und im Jahr 1503 eine wöchentliche Messe auf den Altar der Gruftkapelle (diese befand sich teilweise am Ort der heutigen Sakristei und erstreckte sich noch bis in den heutigen Chorraum), der Unserer Lieben Frau, St. Anna und St. Michael geweiht war. Ein Georg Schweizer aus Hirrlingen vermachte im Jahr 1570, mit Erlaubnis des Georg von Ow, der Pfarrei, die Frühmesspfründe und unserer Lieben Frauenkaplanei fünf Heller Gült zur Lesung einer wöchentlichen Messe in der Gruftkapelle.